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Köpfe
© Beat Presser 'Madagaskar' 1992

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Ars Nobilis - Kunstmesse im Automobilforum, Unter den Linden 21 Berlin

Hannes Kilian » Birgit Kleber » Stefan Moses » Angelika Platen » Beat Presser » Gundula Schulze Eldowy » Liselotte Strelow » Karin Székessy » Ingrid von Kruse » Ingrid von Kruse » & others

Exhibition: 6 Nov – 15 Nov 2009

Automobil Forum

Unter den Linden 21
10719 Berlin

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69
10719 Berlin

+49 (0)30-88913590


www.johanna-breede.com

Tue-Fri 11-18 + by app.

Köpfe
© Birgit Kleber 'verlorenes Profil'

Gute Porträtphotographien zeugen auch von faszinierenden Begegnungen. Zum Beispiel von den kostbaren Minuten, in denen Gundula Schulze Eldowy im Ägyptischen Museum in Kairo die Mumien der Pharaonen photographieren konnte. In der Welt der Lebenden unzähligen neugierigen Blicken ausgesetzt, bekommen die Jahrtausende alten Toten in den Bildern der Photographin ihre würdevolle Spiritualität zurück und entfalten, wie der Kopf Thutmosis' IV., eine eigenartige berührende Schönheit. Die auf Madagaskar entstandenen Arbeiten des Schweizers Beat Presser handeln ebenfalls von menschlicher Geschichte, vom Fremden und zugleich Ursprünglichen, das uns magisch anzieht. In kraftvollen Bildern erzählt Presser von der Kultur der Inselbewohner und ihrer teilweise noch eng mit der Natur verwachsenen Lebensweise - die Fischerin trägt stolz ihren Fang zum Markt und der Kopf des Hais wird zum mystischen Wesen.

Der Mensch hat viele Gesichter. Manche ergeben sich aus dem Zauber des Augenblicks wie die lachende Tut Schlemmer oder der lässig entspannte Gary Cooper in seinem neuen Mercedes Cabriolet, beide festgehalten in Photographien von Hannes Kilian. Manchmal bleibt ein Gesicht für den Photographen unsichtbar, was wiederum in starken Bildern Ausdruck finden kann: In Beat Pressers ungewöhnlicher Aufnahme eines Hinterkopfes erkennen wir sofort Klaus Kinski, während Birgit Klebers Photographie "Verlorenes Profil" keinen Namen preisgibt und gänzlich der Macht der Bildwirkung vertraut. In den Porträts der Schauspielerin Eva Ebner inszeniert Birgit Kleber die Gesichtslandschaft eines langen, intensiv gelebten Lebens. Obwohl "Eva" uns sehr nahe kommt, bleibt sie rätselhaft, lassen der gesenkte Blick und die geschlossenen Augen nur erahnen, was tief unter der Haut verborgen liegt. Eine besondere Form der Verfremdung und gleichzeitigen Enthüllung hat Stefan Moses für sein Projekt "Künstler machen Masken" entwickelt. Mit dem uralten Spiel der Maskierung lockt er seine Modelle aus der Reserve und schafft Bilder voller Witz und Spontaneität. So vollzieht Meret Oppenheim vor dem Objektiv des Photographen eine wundersame Verwandlung zum Vogelwesen. Es dürfte ihr nicht schwer gefallen sein, sich auf die Idee von Stefan Moses einzulassen, denn die Metamorphose, die Arbeit mit Masken und Kostümen, mit Traumbildern und Symbolen des Unterbewussten, entsprach Oppenheims eigenem künstlerischen Vorgehen. Ganz ohne Maske zeigen sich die Porträtierten bei Ingrid von Kruse. In scheinbar zufälligen, ganz auf Mimik und Gestik konzentrierten Momentaufnahmen gelingt es der Photographin Wesentliches über eine Person auszusagen. Die Künstlerporträts von Angelika Platen machen die innere Verbindung zwischen dem Künstler und seiner Arbeit im Bild sichtbar. Der junge Panamarenko verschmilzt nahezu mit dem von ihm konstruierten Flugobjekt, während Blinky Palermo die Photographin gar nicht wahrzunehmen scheint. Es ist ein Augenblick völliger Konzentration, während dessen im Kopf des Künstlers das Kunstwerk entsteht.

Für Liselotte Strelow, die große Bildnisphotographin der 1950er und 1960er Jahre, war das menschliche Gesicht ganz klassisch der Spiegel der Seele, in dem sich alle Wesenszüge und Widersprüche eines Charakters zeigen konnten. Mit ihrer ausgeprägten Fähigkeit, den Kern einer Persönlichkeit zu erfassen und in markanter Bildwirkung darzustellen, hat sie Photogeschichte geschrieben. Am besten konnte sie ihre Kunst beim Porträtieren eigenwilliger Menschen entfalten, wie zum Beispiel dem schwierigen Gustaf Gründgens oder dem exzentrischen Salvador Dalì, der der Photographin einen außergewöhnlichen Moment schenkte: einen kurzen unverstellten Blick auf die Person hinter der Pose. Den Komponisten Hans Pfitzner photographierte Strelow wenige Tage vor seinem Tode: "Er war ein müder gebrochener Mann. Seine schönen hellen Augen waren entstellt durch eine Star-Brille mit dicken Gläsern. Aber immer noch war er bewundernswert in seinem pointierten Gespräch."

Allen in der Ausstellung gezeigten Photographen von "Köpfen" ist eine scharfe Beobachtungsgabe und großes Einfühlungsvermögen gemeinsam - eine intensive Beschäftigung mit dem Gegenüber, aus der am Ende mehr entsteht, als nur ein photographisches Abbild der äußeren Erscheinung: Porträtphotographie als ausgewogene Interpretation zwischen Individualität und Allgemeingültigkeit, eine wirkliche Interaktion, die sich der Bloßstellung des Einzelnen wie der medientauglichen Reduzierung des Menschenbildes widersetzt.

Susanne Schmid

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© Schulze Eldowy 'Thutmosis IV.'
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© Liselotte Strelow, Marlene Dietrich