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Boris Mikhailov »

Look at me I look at water

Or Perversion of Repose (1999)

Exhibition: 29 Jul – 11 Nov 2007

Sprengel Museum Hannover

Kurt-Schwitters-Platz
30169 Hannover

0511-16843875


www.sprengel-museum.de

Tue 10-20, Wed-Sun 10-18

Look at me I look at water
Boris Mikhailov, aus: Look at me I look at Water 1999 / 2000, © VG Bild-Kunst, Bonn

Dedicated to all who've been forced to leave and all who've chosen to, To all who keep moving and all who've settled, To all who are trying, and erring, and succeeding, And to my nearest and dearest. [Gewidmet all denen, die gezwungen wurden zu gehen und denen, die es vorzogen zu gehen. All denen, die die Bewegung beibehalten und denen, die sesshaft wurden. All denen, die es versuchen, und irren, und nachfolgen, und meinen nächsten und liebsten.] Boris Mikhailov (*1938 in Kharkov, UdSSR/Ukraine) ist spätestens seit den frühen 1990er Jahren in der westeuropäisch-amerikanisch geprägten Kunstszene eingeführt. Seither sind viele Publikationen, vor allem Künstlerbücher, erschienen. Sein Werk wurde mit hohen Ehrungen (The Hasselblad Award 2000, City Bank Photography Prize 2003) ausgezeichnet. In seinen zahlreichen fotografischen Serien dokumentiert Mikhailov das Leben und den Zerfall der sowjetischen Gesellschaft und die sich daran anschließenden gesellschaftlichen Veränderungen. Mikhailov ist ein fotografierender Moralist. Seine Arbeiten vereinen dokumentarische und konzeptionelle Aspekte. Die gesellschaftlichen Ver- und Überformungen von Leib und Körper stehen häufig im Zentrum seines Interesses und bilden ein visuell-metaphorisches Vokabular des Erotischen. Die Arbeit "Look at me I look at Water" geht auf eine Anregung der Heiner Müller-Gesellschaft zurück. Ausgangsidee war die Konfrontation zweier sehr gegensätzlicher künstlerischer Ansätze, zweier sehr verschiedener Weisen, Politik und Gesellschaft zu reflektieren. Mikhailov, der die Arbeit nach dem Tod Heiner Müllers konzipiert hat, versteht sie als einen experimentellen Versuch der Aneignung des Werkes von Heiner Müller. Wie in vielen der Arbeiten von Mikhailov überlagern sich in "Look at me I look at Water" eine individuell-biografische Ebene mit einer visuellen Analyse des gesellschaftlichen Kontextes. Auf der formalen Ebene greift er auf verschiedene bereits verwendete Verfahren zurück. Er verwendet Fotografien, die in anderen Zusammenhängen bereits Eingang in sein Werk gefunden haben. Er fügt neue Bilder hinzu, ordnet neu, collagiert und unterlegt die Bilderzählung mit Texten und Textfragmenten. Sie reflektieren sowohl die zum Einsatz kommenden ästhetischen Verfahren und ikonografischen Muster als auch die ebenso banale wie brutale alltägliche Verwertung verschiedener kultureller Erfahrungen. "Look at me I look at Water" ist – diese Lesart schlägt die Widmung vor – auch eine Erzählung aus der Perspektive der Emigration. Nach wie vor pendelt Mikhailov zwischen dem Osten und dem Westen. Dies geht einher mit einer ständigen Irritation von Identitätsvorstellungen, der Frage nach der Relevanz von Erfahrung und dem Umgang mit moralischen Wertsetzungen. In diesem Sinne ist diese Arbeit eine Auseinandersetzung, die sich aus Instabilitäten speist. Für die Ausstellungsform hat Boris Mikhailov ausgehend von der konzeptuellen Vorarbeit für das Buch "Look at me I look at water" (Steidl Göttingen, 2000) eine Präsentation von 30 Arbeiten entwickelt, die sich in dieser Verdichtung als Fragmente eines tagebuchartigen 'Entwicklungsromans' lesen lassen.