Hier können Sie die Auswahl einschränken.
Wählen Sie einfach die verschiedenen Kriterien aus.
Photographische Konzepte, 1970 bis heute
Hans Eijkelboom: Regenschauer / A shower of rain, 1971
© Hans Eijkelboom

Hans Eijkelboom »

Photographische Konzepte, 1970 bis heute

Artist Talk:

Thu 9 Mar 19:00

Die Photographische Sammlung / SK Stiftung Kultur, Köln

Im Mediapark 7
50670 Köln

+49 (0)221-88895300


www.photographie-sk-kultur.de

Thu-Tue 14-19

Das künstlerische Werk des Niederländers Hans Eijkelboom (*1949) verbindet sich insbesondere in seinen Anfängen mit der in den 1970er-Jahren äußerst präsenten und international viel diskutierten Konzeptkunst. Ein Schlüsselerlebnis war für den damals noch jungen Künstler seine Teilnahme an der Ausstellung Sonsbeek buiten de perken, die 1971 in Arnheim stattgefunden hat. Heute bekannte Persönlichkeiten wie Carl Andre, Robert Smithson, Douglas Huebler und Ed Ruscha zählten zu den ausgewählten Positionen, unter deren Einfluss Eijkelboom sein Schaffen begann.

So entstehen seit den 1970er-Jahren variationsreiche Projekte, die das photographische Bild sowie vom Künstler formulierte schriftliche Angaben dazu einbeziehen. Seine Projekte beschäftigen sich grundlegend mit der Entwicklung und Existenz von Ideal- und Vorstellungsbildern, mit (photographischen) Klischees und Vorurteilen, mit Vorgängen der Typenbildung sowie dem Typisieren und Vergleichen als strukturierende Methode. In den Bildreihen, die oftmals in einem von ihm definierten Zeitrahmen umgesetzt werden, nimmt der Mensch eine Hauptrolle ein. Eijkelboom betrachtet den Einzelnen bevorzugt in seinem sozialen und räumlichen Umfeld, er initiiert Interaktionen, fordert zur konzentrierten Wahrnehmung heraus und schließt dabei sich selbst als Person nicht aus.

Ein zentrales Werk des Künstlers sind die tagebuchartigen Photoprotokolle, die er ab 1979 erstellt hat und zunächst durch eine automatische Kamera zu anonymisieren suchte. In Anbindung daran betreibt er seit 1992 – nun wieder selbst auf diskrete Weise die Kamera bedienend – seine „Fotonotities“ (Photonotizen). Aufgenommen werden diese in den Geschäftsstraßen unserer Großstädte, jeden Tag während der Dauer zwischen 20 Minuten und vier Stunden. Vor allem sind es die Passanten bzw. ihre Outfits, Gesten und ihr Habitus, die er zunächst in Arnheim, Amsterdam und in anderen niederländischen Städten schnappschussartig und nach täglich neu bestimmten Kriterien festhält. In diese photographische Langzeitstudie hat er kontinuierlich 40 weitere internationale Städte einbezogen. Eijkelbooms Auslöser reagiert auf das, was uns selbstverständlich erscheint und tagtäglich begegnet: Businessanzüge, Hawaiihemden, Ringel- und Nummernshirts, Hosen mit floralen Mustern oder winterliche Steppjacken. Geschaffen hat er so einen Fundus unzähliger Aufnahmen, die er nach Motiven, Tagen und Jahren geordnet vorstellt, einen "Straßenatlas" individueller Art.

Erst 2014 hat Hans Eijkelboom seine Photonotizen unter dem Titel People of the Twenty-First Century veröffentlicht und damit nicht nur das enzyklopädisch angelegte Porträt- und Gesellschaftswerk des Photographen August Sander gewürdigt, sondern auch dessen Leistungen als Vorläufer der Konzeptkunst.

Zur Ausstellung von Hans Eijkelboom gibt die Photographische Sammlung/SK Stiftung Kultur einen Künstlerkatalog (ndl., deut., engl.) heraus, u. a. mit Texten des Künstlers und von Gabriele Conrath-Scholl, Hans den Hartog Jager, Dieter Roelstraete und Gerrit Willems (Snoeck Verlag).