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Vis-à-Vis
© Herbert List: "Gute Kumpel", Liguria 1936 / Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Vis-à-Vis

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7 May – 8 Jul 2016

Johanna Breede PHOTOKUNST

Fasanenstr. 69
10719 Berlin

+49 (0)30-88913590


www.johanna-breede.com

Tue-Fri 11-18 . Sat 11-16

Vis-à-Vis
© Robert Lebeck: "Konrad Adenauer", Bonn 1966 / Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Vis-à-vis

Exhibition: 7 May – 8 July 2016

There is no photography. There is always only the photograph which gazes back at the viewer. Sometimes with a careful, tentative and questioning look; sometimes with a brisk or hasty glance. But it always offers something: an invitation to brief conversations. The viewer always looks, and the photograph, full of curiosity, gazes back. As in 1966, when the German reportage photographer Robert Lebeck took a portrait of the former German chancellor Konrad Adenauer at his 90th birthday celebration in Bonn. The image, published in the magazine „Kristall”, shows nothing more than the left eye of the aged chancellor. The rest is covered by the portly body of a stranger. But this eye was already enough. The magazine photo engaged the reader in a dialogue. What really moved Adenauer on this winter day, what he saw or said, was no longer important in this image. What was important was the encounter. The gaze, the eyes, the reflections: the vis-à-vis of seeing and being seen.

Photographs of people are full of such encounters. At times it is the sitter flirting with the camera and the photographer, other times it is a dialogue with the self-image. Over 50 such photographic interactions from the studios of 25 photographers will be shown as of May 7, 2016 at the Galerie Johanna Breede PHOTOKUNST. Under the title „Vis-à-vis“ the photographs will encourage dialogues – sometimes with another image; but always with their viewers. The burlesque self-reflections by Stefan Moses are a prime example. In the series „Self in Mirror“ from the early 1960s the Munich portrait photographer asked important German intellectuals, such as Theodor W. Adorno or Ernst Bloch, to sit in front of a discarded department store mirror. Using a self-timer the thinkers were asked to stage themselves. In this way unusual introspection took place in front of Moses’ camera - images which oscillate between amazement, contemplation and great humor.

This ultimately narcissistic juxtaposition of the “I” and the self-image is also present in one of the works by the Austrian-American photographer Lillian Birnbaum. Her photo „Hanna and Mirror“ from 1992 shows a complex fragmentation of identity and the body. Birnbaum creates the exceptional portrait of the actress Hanna Schygulla through an interwoven composition of camera, wall and vanity mirror reflections. It is the fractured self that Birnbaum places into view – the deconstruction of our image of personality.

A photo of a mirror by the Swiss photographer René Groebli is in contrast very different. His camera also looked at a large wall mirror, but, here, a double portrait looks back at the viewer. Behind the delicate face of Groebli’s former wife Rita, the viewer sees the reflected silhouette of Groebli himself. Here no stranger is looking at a stranger. The image, which was published in 1954 in the book The Eye of Love, shows the vis-a-vis of two lovers.

However, not only reflections become counterparts in „Vis-à-vis“. Works by photographers such as Heinz Hajek-Halke, Herbert List or Max Scheler, search for companions, reference points or a complement in this exhibition. At times they find their counterpart in reflections of forms and poses, or simply in the eye of the viewer. No matter how long one looks at these black and white photographs; they always return one’s gaze. (Ralf Hanselle)

Vis-à-Vis
© Karin Székessy: "Das Auge (für P. W.)", 2000 / Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST

Vis-à-vis

Ausstellung: 7. Mai bis 8. Juli 2016

Die Photographie gibt es nicht. Es gibt immer nur das Photo, das einen gerade anschaut. Mal blickt es vorsichtig, tastend und fragend; mal mit forschem oder vorschnellem Blick. Immer aber macht es Angebote: Einladungen zu kleinen Gesprächen. Immer schaut dann ein Betrachter, und die Photographie schaut auf diesen voll Neugier zurück. So wie 1966, nachdem dem deutschen Photoreporter Robert Lebeck ein ungewöhnliches Porträt des einstigen Bundeskanzlers Konrad Adenauer auf dessen 90. Geburtstagsfeier in Bonn gelungen war. Die später im Magazin „Kristall“ publizierte Aufnahme zeigte eigentlich nicht mehr als das linke Auge des gealterten Kanzlers. Der Rest war vom stämmigen Körper eines Fremden verdeckt. Doch dieses Auge war schon genug. Auf dem Magazinphoto trat es in einen Dialog mit dem Leser. Was Adenauer an diesem Wintertag wirklich bewegt, was er gesehen oder geredet hatte, das war für dieses Bild nicht mehr wichtig. Wichtig war nur die Begegnung. Die Blicke, die Augen, die Spiegelungen. Das Vis-à-vis von Sehen und Gesehen-Werden.

Die Photographie vom Menschen ist reich an solch Begegnungen. Mal geht es dabei um Flirts mit Kamera und Photographen, mal um ein Zwiegespräch mit dem eigenen Selbstbild. Über 50 dieser Gegenüberstellungen aus den Ateliers von insgesamt 25 Photographen werden ab dem 07. Mai 2016 in der Galerie Johanna Breede PHOTOKUNST zu sehen sein. Unter dem Titel „Vis-à-vis“ werden sie dort Dialoge suchen – zuweilen mit einem anderen Bild; immer aber mit ihren Betrachtern. Da sind etwa die burlesken Selbstbespiegelungen von Stefan Moses. Unter dem Titel „Selbst im Spiegel“ hatte der Münchner Porträtphotograph Anfang der 1960er Jahren namhafte deutsche Intellektuelle wie Theodor W. Adorno oder Ernst Bloch gebeten, vor einen ausrangierten Kaufhausspiegel Platz zu nehmen. Mittels Selbstauslöser sollten sich die Denker damals selbst inszenieren. So sind vor Moses Kamera eigenwillige Ichbefragungen entstanden. Bilder, die sich zwischen Staunen, Nachdenklichkeit und großem Humor bewegten.

Diese letztlich narzisstische Gegenüberstellung von Ich und Selbstbild ist auch Teil einer Arbeit der österreichisch-amerikanischen Photographin Lillian Birnbaum. Ihr Photo „Hanna und Spiegel“ aus dem Jahr 1992 zeigt eine komplexe Fragmentierung von Identität und Körper. Das eigenwillige Porträt der Schauspielerin Hanna Schygulla wird von Birnbaum aus einer verschachtelten Komposition aus Kamera-, Wand- und Schminkspiegel-Reflexionen zusammengesetzt. Es ist das zerbrochene Selbst, das von Birnbaum in den Blick genommen wird – die Dekonstruktion unserer Persönlichkeitsbilder.

Ganz anders wiederum ein Spiegel-Photo des Schweizer Photographen René Groebli. Zwar hat auch dessen Kamera tief in einen großen Wandspiegel geblickt, doch zurück schaut hier ein Doppel-Porträt. Hinter dem zierlichen Gesicht von Groeblis damaliger Frau Rita entdeckt der Betrachter die gespiegelte Silhouette von Groebli selbst. Hier blickt also kein Fremder auf eine Fremde. Das Photo, das 1954 in dem Bildband „Das Auge der Liebe“ erschienen ist, zeigt vielmehr das Vis-à-vis zweier Liebender.

Doch es sind nicht nur Reflexion und Widerschein, die in "Vis-à-vis" zum Gegenüber werden. Aufnahmen von Photographen wie Heinz Hajek-Halke, Herbert List oder Max Scheler machen sich in dieser Ausstellung auf die Suche nach Pendant, Haltepunkt oder Ergänzung. Mal finden sie ihr Gegenüber in den Spiegelungen von Formen und Posen, mal auch nur in den Blicken ihrer Betrachter. Und egal wie lange man auf diese schwarzweißen Photographien auch schaut; immer blicken sie auf einen zurück. (Ralf Hanselle)

Vis-à-Vis
© Lillian Birnbaum: "Hanna und Spiegel", 1992 / Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST
Vis-à-Vis
© Max Scheler: "Zwei Nonnen erfreuen sich an den Springbrunnen", Tivoli Gärten bei Rom 1951 / Courtesy Johanna Breede PHOTOKUNST