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Weitsicht
Ulrike Rosenbach, Art is a Criminal Action 1969, 2013
© VG Bild-Kunst, Bonn 2016

Weitsicht

Fotografische Werke aus der Kunstsammlung der MLP AG

Günther Förg » Andreas Gursky » Candida Höfer » Susan Hefuna » Astrid Klein » Hanno Otten » Ulrike Rosenbach » Beat Streuli » & others

Exhibition: 28 Sep 2016 – 29 Jan 2017

Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg

Hauptstr. 97
69117 Heidelberg

+49 (0)6221-58 34 020


www.museum-heidelberg.de

Tue-Sun 10-18

Weitsicht
Hanno Otten, Lichtbild 149, 2003
C-Print © courtesy the artist

"Weitsicht"
Fotografische Werke aus der Sammlung der MLP AG

Ausstellung: 29. September 2016 bis 29. Januar 2017

KÜNSTLERGESPRÄCHE
Hanno Otten: Mittwoch, 26. Oktober, 19 Uhr
Prof. Ulrike Rosenbach: Mittwoch 23. November, 19 Uhr

"Fotografie ist eine sehr schwierige Kunst", schreibt der schwedische Kunsthistoriker Pontus Hultén in Klaus Honnefs Katalog zur Ausstellung "Pantheon der Fotografie im XX. Jahrhundert" (1992) und bringt damit zum Ausdruck, dass Kunst und Fotografie lange Zeit getrennte Wege gingen. Erst im Zusammenhang der Ende der 60er Jahre geführten Diskussion über das eigentlich Künstlerische in der Fotografie setzte sich die Überzeugung durch, dass die Fotografie durchaus Werke nach eigner Ästhetik hervorbringen kann, und fand die Fotografie als vollwertige Kunstform allgemeine Akzeptanz.

Seit 2006 widmet sich das KMH diesem faszinierenden Medium und zeigte in einer Reihe erfolgreicher Fotoausstellungen die Arbeiten herausragender Künstler, von Charles Marville und den Bisson Frères bis hin zu Man Ray, Bert Stern, Howell Conant, Milton H. Greene, Philippe Halsman, Linda Eastman oder Guido Mangold. Parallel dazu wurde mit dem Aufbau eines eigenen Sammlungsgebietes zur Fotografie begonnen.

Die Ausstellung "Weitsicht" aus der Kunstsammlung des Finanzdienstleisters MLP passt in dieses Konzept des Heidelberger Museums. Heidelberg mit der ältesten deutschen Universität, die Stadt des Geistes und der Wissenschaften, seit 2015 ausgezeichnet von der UNESCO als City of Literature, eignet sich in besonderer Weise für die erste öffentliche Präsentation dieser Werke herausragender zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler, die in ihren Bildmotiven die "Kunst des Denkens" variieren.

Weitsicht
Andreas Gursky, Heidelberg Ost 1993
© Andreas Gursky / VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Courtesy Sprüth Magers

Von Andreas Gursky sieht man zwei Textseiten eines etwas zerlesenen Buches: er spielt in "Ohne Titel XII, Nr. 2" von 2000 mit Textelementen aus diversen Kapitelentwürfen von Robert Musil’s Jahrhundertroman "Mann ohne Eigenschaften". Das Motiv "Heidelberg Ost" hat Gursky "von weitem" eingefangen; es gehört zu einer Motivreihe von Stadtüberblicken aus der Ferne.

Susan Hefuna hat eine Reflexion über westliche Fotografie-Geschichte gewagt. Ausgerüstet mit einer Lochkamera kreierte die Künstlerin auf Ägyptens Straßen mehrfach geschichtete Fotoarbeiten. Ägyptische Alltagsszenen erscheinen fremd und verortet in der Ferne. Hefuna spielt mit dem Blick des jeweiligen Betrachters: mit dem Fremden und dem Vertrauten in uns selbst. Es entstanden delikate Meta-Fotoarbeiten.

Den geschärften Blick und die klare Motivwahl lernte Candida Höfer, wie Andreas Gursky, bei Prof. Bernd Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie. Beide zählen zur ersten wegweisenden Generation seiner Meisterschüler. Heute wird immer deutlicher, warum Bibliotheken mit Büchern, die nicht wie digitale Dateien zerfallen, so wichtig für den Kulturerhalt sind. Dies sind Höfers Lieblingsmotive.

Günther Förg gelang es, mit seinen unverwechselbaren Hochformaten in sanften Grauschattierungen von ihm wiederentdeckte Architektur-Ikonen der Moderne in Russland, Deutschland oder Italien vor dem Vergessen zu retten, indem er sie durch seine spezielle Fototechnik in international gefragte Kunstwerke transformierte.

Astrid Kleins Schriftbild ist auf einem Film hinter Glas auf Distanz zur Wand gerahmt. Es trägt die stark vergrößerte Handschrift Oscar Wildes in einem Brief an einen nicht genannten Dichterkollegen, den sie in einem Pariser Antiquariatskeller fand. Die Magie der Handschrift, die durch die Vergrößerung noch gesteigert wird, wirkt geheimnisvoll – der Inhalt ist nur teilweise zu entziffern.

Hanno Otten befasst sich mit Grundsatzfragen im Bereich von Farbe und Licht in Verbindung mit kameraloser Fototechnik: Ottens Werks-Entwicklung führte zu transparent wirkenden Werken wie dem hier gezeigten "Lichtbild 149"; sein komplexer Bild-Ansatz verstärkt das Sammlungs-Konzept "Weitsicht".

Ulrike Rosenbach, eine der ersten Schülerinnen von Josef Beuys, war immer schon politisch denkende Künstlerin in Sachen Frauenbewegung. Sie schuf bereits 1970 eine fotomontierte, selbstbewusste Adaption des Warhol-Siebdruckes "Double Elvis" (dessen "Triple" 2014 in der Christie‘s Auktion in New York für Aufsehen sorgte): Sie stellte sich in exakt gleicher Pose und Montur neben Elvis – und eben nicht in dessen Schatten! Ein Leitmotiv!

Beat Streuli schließlich, der sein internationales Renommé in den 90iger Jahren erlangte, konzentriert sich auf junge Menschen in den Straßen. Durch die Verwendung seines "weitsichtigen" Teleobjektives fühlen sich die Personen unbeobachtet und es entstehen authentische Portraits.

Die Ausstellung präsentiert insgesamt 36 Werke zeitgenössischer Fotokunst.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Kehrer Verlag Heidelberg Berlin zum Preis von € 29,90.

Weitsicht
Beat Streuli, East Jerusalem, 1999
C-Print, © courtesy the artist